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Samstag, 1. Februar 2020

GESUNDHEIT | Schwanger trotz Endometriose



WUNDER BEGINNEN DANN, WENN WIR UNSEREN TRÄUMEN MEHR ENERGIE GEBEN ALS UNSEREN ÄNGSTEN.


Wer mir schon längere Zeit hier auf dem Blog oder auf Instagram folgt, weiß, dass ich 2016 die überraschende Diagnose "Endometriose" bekam. Seit dieser großen Operation stand mein Leben von heute auf morgen ziemlich auf dem Kopf. Doch eine gute Sache daran gab es: endlich kannte ich den Grund meiner starken Schmerzen. Einer der quälendsten Gedanken zu Beginn war die Frage nach dem Kinderwunsch. Niemand - absolut niemand - denkt mit 23 Jahren daran, dass er vielleicht niemals Kinder haben könnte. Nicht zu wollen und nicht zu können ist dabei ein riesiger Unterschied. Da ich drei Jahre alleine war, war das Thema sowieso erst einmal hinten angestellt. Doch im Hintergrund kreisten die Gedanken unermüdlich weiter. Was ist, wenn du niemanden findest? Was ist, wenn ihr euch entscheidet Kinder zu wollen, es aber nicht klappt? Was würde es mit mir machen, wenn mein Traum Mama zu werden niemals für mich in Erfüllung geht?



Ich war gerne Single. Ich habe mich alleine vollkommen gefühlt. Mir hat nichts gefehlt und ich habe das Leben so sehr geliebt, wie ich es auch heute tue. Meine ganze Energie habe ich dazu verwendet, mein Studium erfolgreich abzuschließen, mich meiner Karriere zu widmen und die Dinge zu tun die ich liebe. Und dann warst da plötzlich Du. Zwei, die sich nie gesucht und doch gefunden haben. Vom ersten Moment an wusste ich, du bist es. So kitschig es klingen mag.


Meine Endometriose


Ein halbes Jahr später verschlimmerte sich meine Endometriose-Situation leider drastisch. Aus ein paar Tagen voller unerträglichen Schmerzen im Monat, wurde kein einziger Tag mehr ohne Schmerzen. Was das bedeutet, war für mich sofort klar. Die Ärzte, welche damals bei mir Endometriose als Zufallsbefund während einer Blinddarm-Operation diagnostizierten, rieten mir eindringlich dazu, mich in die Hände von Spezialisten zu begeben. So kam ich 2017 zur Uniklinik in Erlangen, welche als Endometriosezentrum auf der höchstmöglichen Stufe zertifiziert ist - so wie die Charité in Berlin. Ich kann wirklich jeder Betroffenen von Herzen nur raten, in solch ein hoch zertifiziertes Zentrum zu gehen, egal wie weit der Weg auch sein mag. Nur hier kann wirklich gewährleistet werden, dass die Endometriose bestmöglich versorgt wird und man alle zur Verfügung stehenden Mittel und Wege nutzen kann, um ein möglichst beschwerdefreies Leben zu bekommen.

Ein Telefonat mit dem Chefarzt später war dann auch klar, dass ich so schnell wie möglich operiert werden muss. Der Termin wurde für zwei Wochen später geplant. Und wieder stand meine Welt auf dem Kopf.


Wie wird die Operation verlaufen? Werden wieder Teile der Organe entfernt müssen? Wie werde ich nach der Operation aufwachen? Wie lange wird dieses Mal die Genesung dauern? Wo soll ich anschließend wohnen - in meiner eigenen Wohnung werde ich die zwei Stockwerke ohne Aufzug nicht mehr überwinden können? Was ist dann mit meinem Job? Und dann kam sie wieder: Die Frage nach dem Kinderwunsch.

Zunächst klärten wir alles organisatorische. Schnell war die Entscheidung gefallen, dass ich aufgrund der Operation ins 100 km entfernte Mannheim zu meinem Freund ziehen werde - die Zukunft meines geliebten Jobs in der alten Heimat damit ungewiss. Doch an erster Stelle stand natürlich immer die Gesundheit. Als der Umzug organisiert war, der letzte Arbeitstag vor der Operation geschafft war, ging es morgens um 5 Uhr  die 300 Kilometer auf in Richtung Erlangen.

Der Tag der Operationsvorbereitung war die Hölle für mich. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie selbst so nervlich am Ende erlebt. Ich war an die Grenze meiner Ressourcen gekommen. Von Blutabnahme, halbstündigem Ultraschall und zig Aufklärungsgesprächen, schwirrte mir nur noch der Kopf. Und da war sie wieder die Frage. Dieses Mal von den einfühlsamen Ärzten: Frau L., wie sieht es mit dem Kinderwunsch aus? So naiv es klingt, gerechnet habe ich damit nicht. Mein Freund und ich schauten uns an, dann wieder die Ärzte. Ja, Kinder wünschen wir uns. Nach einer fast schlaflosen Nacht, startete die OP bereits um 7 Uhr morgens. Etliche Stunden später - gegen halb 1 war ich dann endlich wieder auf meinem Zimmer. Völlig gerädert und mit einem Körper voller Schläuche. Sogleich aber die Entwarnung des Chefarztes, die OP sei lange, aber gut verlaufen. Die Endometriose hatte wieder gestreut, auch auf die Blase und Organe, aber es konnte alles großzügig weggeschnitten werden. Dementsprechend legte man uns ans Herz, dass die einzig realistische Chance schwanger zu werden, in den nächsten 6 Monaten bestünde, bevor die Endometriose wieder richtig zuschlagen könnte.

Lange überlegen kann man in so einer Situation natürlich nicht und das brauchten wir auch nicht. Die ersten Monate vergingen, ohne dass viel passierte. Ich machte mir aber auch keinen Kopf darum. Wir ließen alles auf uns zukommen - egal ob es in vier Wochen oder in vier Jahren passieren würde. Lange überlegten wir jedoch den geplanten Bali Urlaub abzusagen, aber entschlossen uns letztendlich dann doch zu fliegen mit dem Gedanken: ach, wird schon nicht geklappt haben. Doch dann kam alles anders. Ein Bali Urlaub ohne Periode, ein Bali Urlaub voller Brustschmerzen, ein Bali Urlaub voller elendiger Übelkeit. Und dann war es eigentlich auch schon klar. Was ich damit sagen will. Je mehr wir uns auf etwas versteifen, desto schwieriger gehen die Dinge in Erfüllung. Wir müssen dem flow des Lebens vertrauen. Wir müssen wieder mehr darauf vertrauen, dass alles so kommt wie es kommen soll. Und wann es für uns passieren soll. Wir selbst waren beide an einem Punkt, an dem jeder Ausgang dieser Situation für uns ok gewesen wäre. Wir waren unendlich glücklich mit uns und unserem Leben. Wussten aber, dass ein Kind dem ganzen vermutlich noch eine Krone aufsetzen würde. Und so geschah es, dass als wir es am aller wenigsten damit rechneten, das Wunder doch noch für uns wahr wurde. 5 Monate nach der Operation.




Kinderwunsch und was mir dabei geholfen hat

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1. AVA 

Neben der Operation, gab es noch den ein oder anderen "Geheimtipp", welcher mit Sicherheit einen Beitrag zu unserem Glück geleistet hat. Da ich die Pille bereits 2017 abgesetzt hatte, gab es glücklicherweise in diesem Hinblick keine Umstellung, die mein Körper noch zu bewältigen hatte. Das hatten wir bereits alles hinter uns. Doch das morgendliche Temperaturmessen war mir, um ehrlich zu sein, irgendwann einfach zu ungenau und zu ungemütlich. So stießen wir über den YouTuber und Gynäkologen Konstantin Wagner von "Richtig Schwanger" auf das Ava Armband. Ich recherchierte sehr viel zu den wissenschaftlichen Grundlagen und auch zu den individuellen Erfahrungsberichten - welche mich in der Summe definitiv überzeugten. Das Ava Armband wurde an der Universitätsklinik Zürich entwickelt und zieht man abends vor dem schlafen gehen an. Es misst über die gesamte Nacht verteilt Parameter wie die Hauttemperatur, die Atemfrequent, die HRV Ratio, den Herzschlag usw. Hierdurch ist die Messmethode wesentlich genauer als alle herkömmlichen Methoden zur natürlichen Familienplanung. Am Morgen synchronisiert man Ava dann mit der App und schon sieht man die genauen Verlaufskurven der einzelnen Parameter innerhalb des jeweiligen Zykluses. Nachdem Ava einen die ersten 2-3 Monate kennen gelernt hat, wird sie immer präziser und hat es so tatsächlich geschafft meinen Eisprung auf den Tag genau vorherzusagen. Wenn ich ein Wundermittel benennen müsste, dann wäre es für mich wohl Ava. Niemals würde ich sie wieder hergeben wollen. Auch jetzt in der Schwangerschaft ist es möglich den Modus auf "Schwanger" zu ändern, und über die Nacht relevante Parameter zu messen, sowie sich den Schwangerschaftsverlauf anzeigen zu lassen. Eine wirkliche Bereicherung, die nicht nur präzise ist, sondern auch ohne Mehraufwand zu benutzen ist.




2. Kinderwunsch- / Zyklustee

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt war das Trinken eines Zyklustees. Durch Ava kannte ich meine Zyklusverläufe ja im Detail, doch durch die Endometriose waren sie zwar regelmäßig, aber eben nicht vollumfänglich. Bereits der erste Monat, in dem ich jeden Morgen eine Tasse dieses Tees trank, beruhigte sich der Zyklus komplett. Es gab keine Schwankungen und auch keinerlei Ungereimtheiten mehr. Und schwanger wurde ich dazu auch noch sofort. Also alles das, was sich auch in den zahlreichen Rezensionen des Tees nachlesen ließ. Solche Zyklustees werden auch immer gerne von Hebammen empfohlen, ebenso wie speziell zusammengesetzte Tees für die Schwangerschaft und später für die eventuell bevorstehende Stillzeit.


3. Pränatalvitamine

Der letzte wirklich wichtige Punkt ist die Einnahme von pränatalen Vitaminen. Erst wenn unser Körper über eine ausreichende Versorgung mit allen grundlegenden Vitaminen und Spurenelementen verfügt, steht einer Schwangerschaft in dieser Hinsicht nichts mehr im Wege. Hierbei kommt es jedoch nicht nur auf die Versorgung mit Folsäure an, sondern auch auf alle anderen Vitamine. Damit man den Defekten des Neuronalrohrs in der embryonalen Entwicklung vorbeugen kann, wird empfohlen, bereits vier Monate vor der Schwangerschaft mit der ausreichenden Aufnahme von Folsäure zu beginnen. Also am besten direkt bei Aufkommen des Kinderwunsches. Ich verglich alle am Markt verfügbaren Produkte, und entschied mich aufgrund der Zusammensetzung für Elevit von Bayer. Inzwischen verwende ich hiervon die Stufe 2 für die zweite Hälfte der Schwangerschaft und bin vollumfänglich zufrieden damit.



Eure Top 3 Fragen


1. Welche Auswirkungen hat die Endometriose auf die Schwangerschaft und das Kind?
Die Endometriose selbst hat keinerlei Auswirkungen auf die Schwangerschaft und das Kind, aber das Gegenteil ist der Fall. Durch die hormonelle Umstellung und das Ausbleiben der Periode, kommen die Endometrioseherde "zur Ruhe". Die Wunschvorstellung vieler Patienten und Ärzte ist, dass die Endometriose auch nach der Schwangerschaft nicht wieder entfacht. In manchen Fällen ist dies glücklicherweise der Fall, in sehr vielen Fällen aber leider auch nicht. Dementsprechend kann eine Schwangerschaft nicht mehr als reine Therapie der Endometriose angesehen werden, auch wenn dies natürlich bei Kinderwunsch eine in Erwägung zu ziehende Option ist.

2. Inwieweit sollte man seine Kinderplanung aufgrund der Endometriose nach vorne verschieben?
Das kommt vor allem auf zwei Aspekte an: die Diagnose und die Dringlichkeit des Kinderwunsches. Wenn man Endometriose hat, muss man sich bewusst sein, dass schon allerkleinste Herde eine Schwangerschaft verhindern können, sprich, dass der Grad der Ausprägung nichts mit dem Grad der Symptome und Auswirkungen zu tun hat. Wenn man sich zwar Kinder vorstellen kann, aber auch gut damit leben könnte, wenn es nicht klappt, kann man sich nach persönlicher Abwägung natürlich Zeit lassen. Aber sollte man sich wirklich von Herzen Kinder wünschen, würde ich auf keinen Fall warten. Das haben mir die Ärzte und auch die Freundinnen mit Endometriose so bestätigt. Den wirklich 100% richtigen Zeitpunkt gibt es sowieso nie und vermutlich würde man es sich den Rest seines Lebens vorwerfen, es nicht früher versucht haben, für den Fall dass es später eben nicht klappt.

3. Hast du Ängste in Bezug auf die Geburt und die Zeit danach?
Ja und das ist vollkommen normal. Auch wenn ich lange von der Krankheit wusste und die Entscheidung für ein Kind bewusst fiel, ist es nochmal etwas ganz anderes, wenn es dann tatsächlich soweit ist. Und die Hormone tun dann ihr übriges. Aber wie schon gesagt - das ist völlig normal und psychologisch betrachtet auch wichtig. Kritisch wäre es eher, man würde sich so gar keine Gedanken darum machen. Ängste finde ich persönlich jedoch immer ein sehr starkes Wort, deshalb verwende ich es nicht so gerne. Ich habe eher Respekt und Fragezeichen, die immer wieder aufkommen wie zum Beispiel: Werde ich Kind, Masterstudium, Arbeit und Haushalt gerecht? Wir wird das so ganz ohne Familie und Freunde in der näheren Umgebung? Wird das Baby so gesund sein wie bisher? Wie wird es mir selbst nach der Geburt gehen? Fragen über Fragen. Aber alles in allem nichts, was mich beunruhigt. Im Gegenteil. Ich habe Respekt vor der Zeit, aber ich freue mich auf nichts mehr, als auf die Geburt und endlich unser Baby zum ersten Mal in den Armen halten zu dürfen 


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